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Leben mit Behinderung Ortenau e.V.

Gemeinschaft erleben - Zukunft gestalten

Das Jahr 2019 im Rückblick

Jahreshauptversammlung 2019

Jahreshauptversammlung am 15. Oktober 2019

In diesem Jahr fand die Jahreshauptversammlung des Vereins Leben mit Behinderung Ortenau zum ersten Mal im Veranstaltungsraum des Beratungsforums der Geschäftsstelle in Offenburg statt. Der Verein betreut etwa 150 Familien mit einem Kind oder Angehörigen mit Behinderung an verschieden Standorten im Ortenaukreis und auch zuhause.

Vorsitzender Konrad Ritter begrüßte die Mitglieder zu dieser richtungsweisenden Jahreshauptversammlung. „Wir brauchen einen Wandel, damit wir den immer komplexeren rechtlichen und wirtschaftlichen Vorgaben in Zukunft ordentlich Rechnung tragen können“ erklärte Ritter. Diese große Verantwortung könne ein ehrenamtlich tätiger Vorstand nicht mehr schultern.

Nach wie vor sind die Stärken des Vereins - getragen von über 280 Mitgliedern - Verantwortung, großes ehrenamtliches Engagement und gesunde Strukturen. Dies bestätigte Geschäftsführer Joachim Haas, der den Geschäftsbericht 2018 erläuterte. Sein Fazit: „Wir arbeiten dem Menschen zugewandt, orientieren uns aber auch an den wirtschaftlichen Notwendigkeiten. Der Verein wird dabei dankenswerter Weise begleitend auch von wohlwollenden Spendern unterstützt!“ Mit über 280 ehrenamtlich und hauptamtlich tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wurde wiederum ein positives Gesamtergebnis geschaffen. Doch trotz wirtschaftlicher Verantwortung stehen immer die Menschen mit schwerer Körper- und Mehrfachbehinderung, die im Verein mit einem vielfältigen Angebot versorgt und betreut werden, im Mittelpunkt. Dies betonte auch Geschäftsführer Wolfgang Dürr, der die geplanten neuen Strukturen vorstellte: „Wir sind ein gesunder Verein und können uns auf eine große Kontinuität stützen.“ Deshalb beschlossen die anwesenden Mitglieder auch einstimmig die Änderung der Satzung mit folgenden Neuerungen: Die Mitgliederversammlung als zentrales Organ behält ihre normativen Aufgaben. Der jetzige ehrenamtliche Vorstand wird zum ehrenamtlichen Aufsichtsrat und hat nach wie vor für den Verein richtungsweisende und strukturverantwortliche Aufgaben. Die beiden hauptamtlichen Geschäftsführer, Joachim Haas und Wolfgang Dürr, werden zum Januar 2020 zum hauptamtlich arbeitenden Vorstand und zeichnen wie bisher für die strategische und operative Ausrichtung des Vereins verantwortlich. „Menschlichkeit, Vertrauen, Kompetenz, Kontinuität und Mut zum Risiko - das ist es, was unseren Verein ausmacht!“ fasste Ritter zusammen. Deshalb darf der Verein Leben mit Behinderung Ortenau mit Stolz und Freude im nächsten Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiern.

 

Infoabend mit Herrn Leptig (LRA) zu den neuerungen BTHG

 

Zum Januar 2020 treten die Neuerungen des Bundesteilhabegesetzes (BTGH) in Kraft. Weil die Fragen von Eltern, Angehörigen und Betreuern von Menschen mit Behinderung aber auch von Betroffenen selbst sehr vielfältig sind, die Unsicherheit über die Änderungen hoch – organisierte der Verein Leben mit Behinderung Ortenau für die Mitglieder des Elternvereins eine Infoveranstaltung. Wie groß Interesse und Fragen zum Thema sind, belegte das bis auf den letzten Platz besetzte Beratungsforum in Offenburg. Hubertus Leptig, Leiter der Eingliederungshilfe am Landratsamt Ortenaukreis, folgte gerne der Einladung. Etwa 850 Fälle werden im Landratsamt bearbeitet, berichtete Leptig den etwa fünfzig Anwesenden. „Alle Betroffenen im Ortenaukreis haben im Landratsamt eine zentrale Anlaufstelle. Dorthin können sie sich direkt wenden.“ In Zukunft werden in einem sehr umfangreichen Fragenkatalog, der gemeinsam mit Betroffenen, ggf. Betreuer und Mitarbeitern der Einrichtung beantwortet werden soll, zum einen die existenzsichernden Leistungen zum anderen die Fachleistungen ermittelt. Für alle, die bereits jetzt Leistungen beziehen ist eine Übergangsfrist im Jahr 2020 eingeräumt, alle Neuanträge bestehen aus 2 Anträgen für die Eingliederungshilfe für die Grundsicherung. Ausdrücklicher Wille des Gesetzgebers ist die Stärkung eines selbstbestimmtes Lebens für Menschen mit Behinderung, auch das Wunsch- und Wahlrecht bei Wohnform und Wohnort zählt dazu. Alle Betroffenen sind bereits vom Landratsamt angeschrieben worden. Oberstes Ziel sei, betonte Leptig, dass ein reibungsloser und nahtloser Übergang für die Betroffenen ermöglich werde. Mechthild Wiemann, zweite Vorsitzende des Vereins, dankte Hubertus Leptig für alle Informationen und die kompetente Beantwortung der Fragen. „Wir wissen als betroffene Eltern: diese Umstellung wird für alle Beteiligten eine große Herausforderung! Hoffen wir, dass sie unseren Söhnen und Töchtern auch den gewünschten Nutzen bringt.“

Sommerfest im Haus Damasina

 

Auch im September kann man noch ein Sommerfest feiern, denn die Temperaturen waren wirklich sommerlich. Zum Auftakt des Festes sangen Bewohner und Betreuer gemeinsam das Lied „Das Fest der Elemente“ - passend zu den vier Elementen Feuer, Wasser, Erde, Luft. Verschiedene Stationen dazu waren im Außenbereich eingerichtet. Eine Feuershow fand großen Gefallen, Bewohner Michi bedankte sich persönlich bei den Akteuren. Die Gitarrengruppe aus Oberschopfheim traf mit ihrem Musikbeitrag genau den Geschmack des Publikums.
Ein besonderes Highlight war die Tombola mit 150 gespendeten Preisen von Bürgern, Firmen, Betrieben aus Schutterwald. Unter den Preisen befand sich wirklich Hochwertiges wie z. B. ein Entsafter, ein Blutdruckmessgerät, Kosmetikgutscheine, ein Ster Holz und vieles mehr. Da man die Gewinne in Augenschein nehmen konnte, hatte Frank beim Verkauf der Lose alle Hände voll zu tun.

 

 

Schnell waren alle Lose ausverkauft und der Erlös von 800 Euro wird für einen Schatten spendenden Baum im Rahmen der Neugestaltung des Gartens verwendet.
Mitarbeiter und Hausleitung waren sehr erfreut über die vielen positiven Rückmeldungen von Angehörigen und Gästen, die begeistert vom Engagement der Mitarbeiter und den Aktionen waren.

Schauspieler Johannes Suhm lädt zur Kinoremiere ins Forumcinema Offenburg

Am Sonntag 28. Juli 15:30 Uhr fand die Premiere des neuen Kinofilms Benjamin Blümchen im Forumcinema Offenburg im Rahmen des Familientages statt. Schauspieler Johannes Suhm und Produzent Martin Richter, beide gebürtig aus Offenburg, waren zur Filmpremiere vor Ort. Suhm spielt im Film eine der Hauptrollen und hatte die Familien und Mitglieder des Vereins als Schirmherr eingeladen. Und das war wirklich ein ganz besonderer Nachmittag für die Familien, denn nicht immer erlebt man hautnah einen Schauspieler und einen Produzenten, die man mit Fragen löchern darf. Hier sit der Link zum Pressebericht im Lokalteil des Offenburger Tagblatts:

Pressebericht OT zur Kinopremiere

Johannes Suhm möchte den Verein als Schirmherr immer wieder bei verschiedenen Projekten unterstützen. Er wird an diesem Tag auch vor Ort sein. Der Verein freut sich sehr über diese besondere Einladung, denn oft sind die Familien in ihrem Alltag mit großen Herausforderungen und Belastungen sehr eingespannt. Da ist ein Kinobesuch eine sehr willkommene Abwechselung.

Ein Selfie von Herrn Suhm nach der Vorstellung

Autogrammstunde nach der Vorstellung

 

Hier konnten die Familien ihre Eintrittskarten abholen

Sommer-Zirkusfest im Wohnheim Renchen

 

Ein Zirkus zu Besuch im Haus - da muss das Haus schon über den entsprechenden Platz verfügen. Den hat das Wohnheim Renchen des Vereins Leben mit Behinderung Ortenau auf jeden Fall und dank des schönen Wetters an diesem Tag, konnte die Vorstellung des kleinen Familienzirkus Frankordi, wie gehofft, im Garten des Wohnheims stattfinden. Neben den Angehörigen und Betreuern der Bewohnerinnen und Bewohner war auch die Renchener Bevölkerung herzlich eingeladen.

 

So wurde der Garten zu einem Begegnungsort für Menschen mit und ohne Behinderung. Nach der Zirkusvorstellung hatten Bewohner und Besucher Zeit, den Streichelzoo zu besuchen, der mit dem Zirkus angereist war. Doch nicht nur ein rundum gelungenes Unterhaltungsprogramm hatten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Vereins organisiert, auch für sommerliche Bewirtung war ausreichend und bestens gesorgt.

So wurde dieses Sommer-Zirkusfest zu einem bunten, fröhlichen Ereignis zum fünfjährigen Bestehen des Wohnheims Renchen.

 

Frühlingsfest des Elternvereins in Zell-Weierbach

 

Einmal im Jahr sind Familien, Mitarbeiter und Bewohner unserer Wohnheime und Einrichtungen zu einem Fest eingeladen. Bei Kaffee und feinsten mitgebrachten Kuchen finden die Gäste Zeit zum Reden und zum Kennenlernen. Dieses Jahr stand die Einladung unter dem Motto „Frühlingsfest“ und fand im Pfarrzentrum in Zell-Weierbach statt. Die Eltern hatten den Raum wunderschön frühlingshaft dekoriert. Ein herzliches Dankeschön gilt der Gärtnerei Dehner in Lahr, die uns Blumen und Pflanzen gespendet hat.

Lesung mit Sandra Roth

Sandra Roth ist freie Journalisten. Sie schreibt unter anderem für die Zeit, Brigitte und die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Auf Einladung des Elternvereins Leben mit Behinderung Ortenau kam sie im Rahmen der Aktionswoche zum europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung nach Offenburg, um aus ihrem aktuellen Buch „Lotta Schultüte“ zu lesen.

„Normalerweise schreibe ich von Berufswegen über andere Menschen. Doch ich habe eine Tochter mit schwerer Mehrfachbehinderung und irgendwann war es mir ein dringendes Anliegen andere daran teilhaben zu lassen, was mich bewegt.“ Ganz persönlich, mit viel Humor und doch auch sehr eindringlich berichtet sie aus ihrem Familienalltag, darüber wie Menschen mal mehr, mal weniger befangen mit ihrer Tochter umgehen. Sie schildert eindringlich die mentalen und räumlichen Schranken, die sie tagtäglich mit ihrer Tochter überwinden muss. Ein zentrales Anliegen ist ihr deshalb das Thema Inklusion: „Wenn ich selbst an einer Förderschule höre: Gewickelt wird hier nicht! Wie weit ist unsere Gesellschaft dann beim Thema Gleichstellung und Inklusion von Menschen mit Behinderung?“ Diese Frage taucht immer wieder in ihrem Buch auf: bei der Feststellung der Schulfähigkeit ihrer Tochter, bei der Wahl der richtigen Schule oder bei Unterstützungen und Mobilität im Alltag.

Vieles muss sich die Familie hart erkämpfen, denn es gibt zwar einen Rechtsanspruch auf einen inklusive Schulplatz aber zuständig fühlt sich niemand. Andere Länder, wie zum Beispiel die USA, seien da deutlich weiter, berichtete Roth. Dazu erzählt sie folgendes: Während sie in München mit ihrer Tochter im Rollstuhl aus Brandschutzgründen quasi aus dem Planetarium rausfliegt, werden sie auf ihrer USA-Reise von speziell ausgebildeten Museumsmitarbeitern durch jedes Museum begleitet. Die Bordsteine sind abgesenkt, alle öffentlichen Gebäude sind barrierefrei, Menschen begegnen ihnen offen und freundlich. Dort können Menschen mit Behinderung, entsprechend ihrer Fähigkeiten, am kulturellen oder gesellschaftlichen Leben teilhaben. „Solange nach Amerika fliegen mit meiner Tochter einfacher ist, als in Köln mit der Straßenbahn zu fahren, liegt in unserer Gesellschaft noch viel Inklusionsarbeit vor uns“ fasst Roth den Entwicklungsprozess zum Thema Inklusion zusammen.