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Leben mit Behinderung Ortenau e.V.

Gemeinschaft erleben - Zukunft gestalten

Das aktuelle Jahr 2022

 

Martin Gassner-Herz (MdB, FDP) zu Besuch beim Verein Leben mit Behinderung Ortenau

 

Die politischen Zeiten sind ja, weiß Gott, nicht wirklich einfach in diesen Tagen. Deshalb hatten Wolfgang Dürr, Vorstand des Vereins Leben mit Behinderung Ortenau, und die Mitarbeiterin Birgitt Reinfarth gar nicht damit gerechnet, dass Martin Gassner-Herz, Abgeordneter der Freien Demokraten im Bundestag, Zeit finden würde für ein Gespräch. Doch wie Gassner-Herz ausdrücklich betonte, sei es ihm sehr wichtig, den Dialog mit den Bürgern vor Ort aufrecht zu erhalten.

 

Anlass des Besuches, der bereits vor einigen Wochen anberaumt wurde, war die aktuelle Sorge, wie sich die Versorgungssituation für Menschen mit Behinderung durch den Beschluss der einrichtungsbezogenen Impfpflicht verändern, möglicherweise verschlechtern wird. In zwei Wohnheimen in Renchen und Schutterwald, in der Kurzeiteinrichtung und im betreuten Wohnen in Achern, im familiären Umfeld und in der Integrationshilfe im Kindergarten und in der Schule betreut und unterstützt der Verein über 300 Familien und Menschen mit Behinderung in der Ortenau.

 

Wolfgang Dürr verwies darauf, dass es drei große Gesundheitsbereiche gebe, die von der beschlossenen Impfpflicht betroffen seien. Alle drei hätten spezifische Anforderungen an die Bedürfnisse, die Gesundheit, an das Wohlbefinden der zu Betreuenden: Der medizinische Bereich mit Krankenhäusern, Praxen und Therapien, der Bereich der Altenpflege und der Bereich der Behindertenhilfe. Dürr bemängelte, dass vieles plakativ beschlossen worden sei, ohne auf diese Unterschiede Rücksicht zu nehmen. So könne ein Mensch mit Behinderung körperlich absolut gesund ein, er gehöre gar nicht zu den vulnerablen Gruppen. Um auf die konkreten Gegebenheiten vor Ort besser eingehen zu können, wünscht Dürr sich viel mehr Eigenverantwortung in den Einrichtungen: „Masken tragen und tägliche Tests sind derzeit die effektivsten Mittel, um eine Ausbreitung einer Covid-Infektion in den Einrichtungen zu verhindern oder zu bremsen.“ Gassner-Herz sah dies als wichtiges Argument für die Entscheidungen, die in den kommenden Wochen anfallen, „weg von der pauschalen Bevormundung hin zu mehr Eigenverantwortung, zum Pragmatischen. Dafür stehen die Freien Demokraten.“

 

Der Pflegenotstand, der schon seit vielen Jahren die gesamte Branche belastet, wird aus Sicht Dürrs durch den aktuellen Beschluss nochmals deutlich verschärft. „Wir müssen jetzt schon maximale Anstrengungen sowohl personell als auch finanziell unternehmen, um überhaupt Arbeitskräfte zu finden.“ Es sei schon jetzt kaum möglich, neue Stellen zu besetzten. Und dann erteile man faktisch ein Arbeitsverbot für Fachkräfte, die seit Jahrzehnten, oft aus Überzeugung, in diesem Beruf arbeiten. Bei manchen verursache dies große Sorgen, denn der Verlust des Arbeitsplatzes sei für sie mit dem Verlust der Existenzgrundlage verbunden. Gassner-Herz hegt die Hoffnung, dass das Thema in den nächsten Monaten deutlich an Gewichtung und Brisanz abnehmen werde. Auch die aufwendige Einzelfallprüfung nehme sicher viel Druck von den Betroffenen. Trotzdem werde, laut Birgitt Reinfarth, das Damoklesschwert weiterhin über den Kolleginnen und Kollegen schweben.

 

Wolfgang Dürr und Birgitt Reinfarth dankten Martin Gassner-Herz ganz herzlich, dass er sich so intensiv und ausführlich ihre Argumente angehört habe, waren beeindruckt, dass er sich so viel Zeit für ihre Anliegen genommen habe. Gassner-Herz sieht dies als eine seiner wichtigen Aufgaben: „Offener, ehrlicher Dialog mit den Bürgern vor Ort, der meine politische Arbeit befruchtet. Gerade Vereine wie ihrer, die wertvollste ehrenamtliche Arbeit in der Gesellschaft leisten, brauchen starke Fürsprecher.“

 

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Das Jahr 2021

Mitarbeiterehrungen 2021

22 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – so vielen wie in diesem Jahr konnten die beiden geschäftsführenden Vorstände Joachim Haas und Wolfgang Dürr und der Vorsitzende des Aufsichtsrates des Elternvereins noch nie in einem Jahr ehren. Denn genau vor 20 Jahren wurde das Haus Damasina in Schutterwald eröffnet, vor 10 Jahren um einen Anbau mit 10 weiteren Förder- und Betreuungsplätzen erweitert. Einige der damals vielen neu eingestellten Mitarbeiter, arbeiten heute noch beim Verein - manche in anderen Bereichen, manche immer noch an ihrem angestammten Platz. Damit auch Zeit zum persönlichen Austausch bleibt, und um Corona konform zu feiern, fanden deshalb in diesem Jahr 2 Termine statt.

 

Ein Geschenk und Blumen als Dankeschön, überbracht mit einer launigen Würdigung für jeden Mitarbeiter, bilden bei einem Empfang in der Geschäftsstelle den Auftakt zum Festtag, der mit einem gemeinsamen Mittagessen und guten Gesprächen im Mühlenhof in Oberweier seinen Abschluss findet.

 

Am 4. August wurden Heike Pahle, Lucia Becherer, Martina Schwarz, Lauren Weber, Christian Zimmermann, Anne Meier und Lydia Heidler geehrt (Foto von li. nach re.).

 

Am 21. Oktober wurden Anna Bratanjuk, Marita Rinklin, Cornelia Bohnert, Inge Schwenke, Eric Braun, Andrea Hügel, Martin Reul, Daniela Broghammer, Steffie Ritter, Barbara Herrmann und Tanja Schaub geehrt (Foto von li. nach re.).

Es fehlten Esther Bea-Roth, Bernhard Deger und Andreas Günter-Fund. Robert Volk verstarb im Juli ganz plötzlich.

Neue Wege beim Verein Leben mit Behinderung Ortenau: Sie bilden das neue Aufsichtsratsgremium des Elternvereins (von li. nach re.) Wolfgang Walz, Simone Dierle, Monika Konprecht, Marianne Deininger, Erika Teichmann, Sabine SauerSusanne Klumpp-Hoffmann, Claudia Rees (2. Vorsitzende), Karl Bühler (Vorsitzender)

 

 

Am 09. Juni 2021 konnte Leben mit Behinderung Ortenau die entfallene Jahreshauptversammlung 2019 nachholen und die aktuelle für 2020 abhalten.

Um möglichst vielen Mitgliedern die Teilnahme zu ermöglichen, hatten die Verantwortlichen eine Hybridveranstaltung organisiert, eine Mischung aus Präsenzveranstaltung in der Athletenhalle in Urloffen und einem Live-Stream im Internet.

Es galt ein Mammutprogramm zu absolvieren. Neben Berichten und Entlastungen für zwei Vereinsjahre standen auch Neuwahlen auf dem Programm. Etwa vierzig Mitglieder konnte der hauptamtliche Vorstand Wolfgang Dürr vor Ort begrüßen, fast zwanzig Zuschauer verfolgten den Stream online. Wolfgang Dürr unterstrich die Bedeutung des Abends, denn 4 Mitglieder des Aufsichtsrates, darunter auch die beiden Vorsitzenden, gäben den Führungsstab nach jahrzehntelangem Engagement weiter, der Wechsel läute grundlegende Veränderungen im Verein ein.

Das Jahr 2019 war geprägt durch hohe Auslastung aller Dienstleistungen und Angebote des Vereins. Der positive Finanzabschluss zur Rücklagenbildung war wichtig, so das Resümee des Vorsitzenden des Aufsichtsrates Konrad Ritter. Vom Ehrenamt zum Hauptamt sei das Motto des Jahres gewesen, der bisher ehrenamtlich tätige Vorstand wurde zum Januar 2020 Aufsichtsrat, der Vorstand arbeitet seitdem hauptamtlich.

Joachim Haas (Vorstand) blickte ebenfalls zurück auf ein positives Jahr. Wie bedeutend das war, brachte er mit den Worten: „Und dann kam Corona!“ auf den Punkt. Nur durch Spendenbereitschaft gelang es dem Verein 2020 bloß ein geringes Defizit zu verbuchen. Entstandene Mehrkosten z. B. für Schutzmaßnahmen, gingen voll zu Lasten des Vereins. Die Coronaprämie für alle Mitarbeiter stemmte der Verein zum Großteil aus eigener Tasche. „Es war uns eine Herzensangelegenheit, unseren sehr motivierten und durch erschwerte Arbeitsbedingungen sehr belasteten Mitarbeitern, auf diese Weise ein Dankeschön auszusprechen“, betonte Haas.

Bei den anschließenden Neuwahlen wurden Konrad Ritter, Mechthild Wiemann, Fides Köhne und Werner Hogenmüller (in Abwesenheit) aus dem Aufsichtsrat verabschiedet. Der neue Vorsitzende des ehrenamtlichen Aufsichtsrates ist Karl Bühler, zweite Vorsitzende ist Claudia Rees, unterstützt werden sie von einem siebenköpfigen Team. Im Rahmen eines Sommerfestes sollen die ausscheidenden Aufsichtsräte besonders verabschiedet werden. Der neue Vorsitzende Karl-Heinz Bühler möchte die Kontinuität und die engagierte Arbeit des Aufsichtsrates fortzuführen. Geplante Projekte im Bereich Wohnen oder die enge Kooperation mit dem Lahrer Verein für Körper- und Mehrfachbehinderte wird der neue Aufsichtsrat konstruktiv begleiten.

 

Rückblick Veranstaltungen 2020

Fimvorführung am 29. Januar 19 Uhr

 

Im Rahmen des 50-jährigen Jubiläums des Vereins Leben mit Behinderung lädt der Verein im ersten Quartal des Jahres zu einer Veranstaltungsreihe rund um das Thema „Inklusion, Begleitung zu Schule und Kindergarten“ ins BeratungsForum Offenburg. Zum Auftakt wurde der Dokumentarfilm „Die Kinder der Utopie“ von Hubertus Siegert gezeigt.

Sogar an Popcorn hatten die Organisatorinnen des Abends, Carmen Basler und Birgitt Reinfarth gedacht. Deshalb begrüßte Joachim Haas, einer der Vorstände und Geschäftsführer des Vereins, die etwa 30 Besucher auch „zu einem Abend mit kinoähnlicher Stimmung.“

In der UN-Menschenrechtskonvention ist die Gleichberechtigung von Menschen mit Behinderung verankert und diese sollen als vollwertige Bürger der Gesellschaft anerkannt werden. Alle Menschen sollen in gleichem Maße am gesellschaftlichen, politischen und sozialen Leben teilhaben können.

Doch wie funktioniert das im Alltag, wenn Kinder mit und ohne Behinderung, mit und ohne Auffälligkeiten im Verhalten, mit und ohne Handicap gemeinsam zur Schule gehen, in einer sogenannten Inklusionsklasse gemeinsam unterrichtet werden?

Im Film „Klassenleben“ (2005) hat Hubertus Siegert sechs Kinder an einer Berliner Grundschule über mehrere Monate begleitet. Nach 12 Jahren haben sie sich als junge Erwachsene wiedergetroffen und berichten in dem sehr berührenden und ehrlichen Film „Die Kinder der Utopie“ über ihr Leben, ihren Werdegang, ihre Pläne für die Zukunft und ihre Wünsche und Träume.

In der anschließenden Aussprache zeigten sich die Besucher beeindruckt, wie selbstverständlich die jungen Erwachsenen schon als Kinder miteinander umgehen. Offensichtlich haben sie durch ihre gemeinsame Schulzeit gelernt, wie vermeintlich Stärkere und Schwächere in der Gesellschaft kooperieren können. Wichtig scheint, je früher wir mit denen, die „anders sind“, in Kontakt treten desto größer ist die Chance, das Inklusion gelingen kann.

So stellte sich den Besuchern zum Schluss die Frage: Bietet unsere leistungsorientierte Gesellschaft überhaupt den richtigen Rahmen, damit Inklusion gelingen kann? Was bedeutet ein inklusives Schulsystem für die Werteentwicklung unserer Gesellschaft? Die Integrationshilfe „INCLUSIO“ des Vereins Leben mit Behinderung ist deshalb ein wichtiger Baustein, damit Inklusion in Kindergarten und Schule gelingen kann.

 

Trailer zum Film

Jahresrückblick 2019